ERF Internationaler Flughafen

Flughafen Erfurt-Weimar
Thüringens internationaler Airport

Thüringens Tor zur Welt – mit einer langen Geschichte aus Weimarer Republik und DDR-Zeit, starkem Charter-Fokus und einem der wenigen deutschen Flughäfen ohne generelles Nachtflugverbot für Fracht.

ICAO: EDDE 315 m ü. NN Gegründet: 1925

Flughafendaten auf einen Blick

Der Flughafen Erfurt-Weimar (IATA: ERF, ICAO: EDDE) ist der Verkehrsflughafen des Freistaats Thüringen. Er liegt im Ortsteil Bindersleben im Südwesten der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt auf einer Höhe von 315 Metern über dem Meeresspiegel. Mit seiner exponierten Lage im Herzen Deutschlands bietet er einen strategisch günstigen Standort für Passagier- und Frachtverbindungen in alle Himmelsrichtungen. Der Schwerpunkt des Flughafens liegt heute auf dem touristischen Charterverkehr sowie auf der Luftfrachtabfertigung. Ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen deutschen Flughäfen ist das Fehlen eines generellen Nachtflugverbots für bestimmte Frachtflugzeugtypen, was den Flughafen Erfurt-Weimar zu einem attraktiven Standort für Nachtkurierflüge und Frachtdienste macht.

2.600 m
Startbahnlänge
315 m
Höhe ü. NN
1925
Gründungsjahr

Geschichte & Entwicklung

Anfänge am „Roten Berg" in der Weimarer Republik

Die Geschichte der Luftfahrt in Erfurt beginnt im Jahr 1925, als am Stadtrand im Bereich des „Roten Berges" ein erster Flugplatz angelegt wurde. Dieser frühe Standort war für die damaligen Verhältnisse gut ausgestattet und ermöglichte regelmäßige Verbindungen in das entstehende deutsche Luftverkehrsnetz der Weimarer Republik. Erfurt, als thüringisches Wirtschafts- und Kulturzentrum, profitierte frühzeitig von der verbesserten Erreichbarkeit durch das Flugzeug. Der Betrieb am Roten Berg dauerte bis 1939, als der Standort zugunsten des heutigen Geländes in Bindersleben aufgegeben wurde. Dieser Umzug war notwendig geworden, weil der wachsende Luftverkehr einen größeren Platz mit längeren Startbahnen erforderte.

Ausbau in Bindersleben ab 1935

Die Erschließung des heutigen Standortes in Bindersleben begann bereits im Jahr 1935, also noch während der Betrieb am Roten Berg fortgeführt wurde. Der neue Flugplatz hatte den Vorteil eines größeren und flacheren Geländes, das für einen modernen Flughafenbetrieb geeigneter war. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Flughafen für militärische Zwecke genutzt und nach Kriegsende von den alliierten Streitkräften übernommen. In den Wirren der Nachkriegszeit kehrte der Flughafen langsam zum zivilen Betrieb zurück, wenngleich die politischen Veränderungen durch die Gründung der DDR im Jahr 1949 auch hier tiefe Spuren hinterließen.

DDR-Ära und Interflug

Im politischen System der DDR übernahm die staatliche Fluggesellschaft Interflug die Rolle des Alleinbetreibers für den Linienluftverkehr. Erfurt war ein bedeutender Stützpunkt der Interflug und verfügte über regelmäßige Verbindungen in die sozialistischen Bruderstaaten sowie in ausgewählte westliche Destinationen. Insbesondere Ferienflüge in Urlaubsgebiete – darunter Bulgarien am Schwarzen Meer und die Adria-Küste – machten den Flughafen Erfurt zu einem wichtigen Knotenpunkt des touristischen DDR-Reiseverkehrs. Die militärische Infrastruktur, die auf dem Gelände noch aus der Kriegszeit vorhanden war, wurde in dieser Zeit schrittweise zurückgebaut und durch zivile Einrichtungen ersetzt.

Wiedervereinigung und Privatisierungsbestrebungen

Nach der Deutschen Wiedervereinigung erlebte der Flughafen Erfurt-Weimar eine wechselhafte Entwicklung. Einerseits eröffneten sich neue Märkte und Streckenpotenziale; andererseits sorgten die Abwicklung der Interflug und die neuen Wettbewerbsbedingungen für erheblichen Anpassungsdruck. In den 1990er Jahren und 2000er Jahren wurde erheblich in die Terminalinfrastruktur investiert und das Streckennetz diversifiziert. Gleichzeitig stand der Flughafen immer wieder vor finanziellen Herausforderungen, da die Passagierzahlen die ambitionierten Erwartungen nicht stets erfüllten. Diskussionen über eine Privatisierung oder Beteiligung privater Investoren begleiteten die Geschichte des Flughafens in dieser Zeit wiederholt.

Infrastruktur & heutige Nutzung

Fokus auf Urlaubs-Charterverkehr

Der heutige Betrieb des Flughafens Erfurt-Weimar konzentriert sich stark auf den Urlaubscharterverkehr. Reisende aus Thüringen und den angrenzenden Bundesländern nutzen den Airport als bequeme Abflugoption für beliebte Urlaubsdestinationen am Mittelmeer, im Nahen Osten und an der Atlantikküste. Dieser saisonale Schwerpunkt bedingt, dass der Flughafen in den Wintermonaten deutlich weniger frequentiert ist als in der Sommerhochsaison. Charterfluggesellschaften wie TUI Fly, Condor und Corendon Airlines gehören zu den wichtigsten Partnern des Flughafens. Das Terminal bietet die notwendige Infrastruktur für Massenabfertigungen in Spitzenlastzeiten sowie für die Komfortansprüche von Pauschalurlaubern.

Schwere Luftfracht und Nachtflugbetrieb

Ein strategischer Vorteil des Flughafens Erfurt-Weimar ist das Fehlen eines flächendeckenden Nachtflugverbots für bestimmte Frachtflugzeugtypen. Während die meisten deutschen Flughäfen Frachtflüge in der Nacht stark einschränken oder ganz untersagen, ist dies am Flughafen Erfurt-Weimar für schwere Frachtflugzeuge unter bestimmten Bedingungen möglich. Dies macht ihn zu einem interessanten Standort für Expressfrachtdienste und Integratoren, die auf nächtliche Umschlagleistungen angewiesen sind. Namhafte Frachtfluggesellschaften nutzen den Airport als teils feste Basis für ihre mitteleuropäischen Frachtnetze. Diese Kombination aus touristischem Charterverkehr und Nachtfrachtbetrieb verleiht dem Flughafen Erfurt-Weimar ein wirtschaftlich ausdifferenziertes Profil.

Start- und Landebahnen

Der Flughafen Erfurt-Weimar verfügt über eine Start- und Landebahn in Ost-West-Ausrichtung, die für mittlere Verkehrsflugzeuge ausgelegt ist. Die Bahn kann von gängigen Schmalrumpfflugzeugen sowie von Frachtflugzeugen der Klasse Boeing 737F oder Airbus A300F genutzt werden.

KennungLängeBreiteBelagILS
10 / 282.600 m45 mAsphaltBeide Richtungen

Die Bahn ist in Richtung 10/28 (Ost-West) ausgerichtet und bietet ILS-gestützte Präzisionsanflüge in beide Richtungen. Mit 2.600 Metern Länge ist sie für die gängigen Charter-Flugzeugtypen gut geeignet.

Passagierstatistiken

JahrPassagiereTendenz
2023ca. 185.000↑ Erholung
2022ca. 155.000↑ Erholung
2019ca. 612.000Vor-Corona-Niveau

Die Passagierzahlen liegen deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau, was sowohl auf die nachwirkenden Pandemiefolgen als auch auf strukturelle Verschiebungen im thüringischen Reisemarkt zurückzuführen ist. Die Frachtvolumina halten sich stabiler, da der Nachtfrachtbetrieb weniger saisonalen Schwankungen unterliegt.

Verkehrsanbindung

VerkehrsmittelVerbindungReisezeit
🚌 Bus Linie 99Erfurt Hbf ↔ Flughafen~20 Minuten
🚗 Autobahn A 4Erfurt West ↔ Bindersleben~10 Minuten
🚗 Autobahn A 71Süd-Thüringen ↔ Erfurtvariabel

Der Flughafen Erfurt-Weimar ist über die Autobahn A 4 (Abfahrt Erfurt-Bindersleben) schnell erreichbar und profitiert von seiner Lage an einem der wichtigsten deutschen Autobahnkreuze. Ein Bahnhof im Terminal ist nicht vorhanden; der Busshuttle zum Hauptbahnhof Erfurt stellt die ÖPNV-Anbindung sicher. Über Erfurt Hbf bestehen Hochgeschwindigkeitsverbindungen per ICE nach Frankfurt, Berlin, München und Köln.

Quellenangaben

1
Wikipedia – Flughafen Erfurt-Weimar: de.wikipedia.org/wiki/Flughafen_Erfurt-Weimar
2
ADV – Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen: www.adv.aero