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Flughafendaten auf einen Blick
Der Ostseeflughafen Stralsund-Barth (IATA: BBH, ICAO: EDBH) liegt in der Gemeinde Divitz-Spoldershagen nahe der Stadt Barth in Mecklenburg-Vorpommern. Er befindet sich auf einer Höhe von 7 Metern über dem Meeresspiegel und ist einer der nördlichsten Regionalflughäfen Deutschlands. Der Flughafen blickt auf eine lange Geschichte zurück, die bis in die Zeit des Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg reicht, und hat sich heute zu einem Standort entwickelt, der neben der allgemeinen Luftfahrt auch als Träger eines beeindruckenden Solarparks bekannt ist. Der Betrieb des Flughafens liegt in den Händen der Ostseeflughafen Stralsund-Barth GmbH, die den Platz für die allgemeine Luftfahrt, Charterflüge sowie touristische Zwecke offenhält.
Geschichte & Entwicklung
Gründung als Militärflugplatz 1935
Im Jahr 1935 entstand der Flugplatz Barth als militärischer Einsatzhorst der Luftwaffe des nationalsozialistischen Deutschlands. Der Bau war eingebettet in die massive Aufrüstungswelle der Wehrmacht und diente dem schnellen Aufbau einer schlagkräftigen Luftstreitmacht. Bereits 1936 war der Platz operativ nutzbar und übernahm zunehmend bedeutende Aufgaben im militärischen Luftbetrieb. Die Lage nahe der Ostseeküste bot strategische Vorteile für Seeaufklärungsflüge sowie Angriffsmissionen im Bereich der Ostsee.
Einsatz im Zweiten Weltkrieg
Während des Zweiten Weltkriegs war der Flugplatz Barth einer der aktiven Stützpunkte der deutschen Luftwaffe. Verschiedene Kampfgeschwadern nutzten den Platz, darunter das Kampfgeschwader 152 (KG 152) und das Lehrgeschwader 1 (LG 1). Zeitweise wurde der Platz für Ausbildungszwecke sowie für operative Angriffsmissionen verwendet. Mit dem Fortschreiten des Krieges verlor der Platz an strategischer Bedeutung, blieb aber bis zum Kriegsende in Betrieb. In der Endphase des Krieges bot der Platz auch Rückzugsmöglichkeiten für verschiedene Einheiten.
Sowjetische Nutzung und DDR-Zeit
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm die Sowjetarmee den Flugplatz und nutzte ihn für ihre eigenen militärischen Zwecke. Diese Phase der sowjetischen Kontrolle dauerte mehrere Jahre und hinterließ deutliche Spuren in der Infrastruktur des Platzes. Im Jahr 1957 begann die Deutsche Demokratische Republik erstmals, den Flugplatz für den zivilen Saisonreiseverkehr zu erschließen. Die staatliche DDR-Fluggesellschaft Interflug nutzte den Platz für Charterflüge, insbesondere in die Urlaubsgebiete an der Ostsee. Im Jahr 1975 wurde der zivile Linienverkehr vom Flugplatz Barth eingestellt, da die wirtschaftliche Rentabilität zunehmend in Frage gestellt wurde und andere Flughäfen bevorzugt wurden.
Wiedereröffnung nach der Deutschen Wiedervereinigung
Im Jahr 1990 – unmittelbar nach der Deutschen Wiedervereinigung – wurde der Flugplatz Barth für die allgemeine Luftfahrt wiedereröffnet. In den folgenden Jahren wurde die Infrastruktur schrittweise modernisiert und an die Anforderungen der zivilen Luftfahrt angepasst. Der Flugplatz positionierte sich als regionaler Zubringer und Standort für die touristische Luftfahrt an der Mecklenburgischen Ostseeküste. Charterflüge, Rundflüge sowie Flugzeuge der Allgemeinen Luftfahrt wurden fortan abgefertigt. Damit erlebte Barth eine zweite Blütezeit als ziviler Flugplatz, wenngleich in erheblich bescheidenerem Umfang als in den Nachkriegsjahren.
Infrastruktur & Solarpark
Flughafengebäude und Betrieb
Der Flughafen Barth verfügt über ein Terminalgebäude, das im Laufe der Jahre mehrfach renoviert und für die Bedürfnisse des Regionalverkehrs angepasst wurde. Das Terminal bietet grundlegende Passagierservices sowie Check-in-Einrichtungen. Die Infrastruktur ist auf kleine und mittelgroße Propeller- und Strahlflugzeuge ausgerichtet. Neben dem eigentlichen Flugbetrieb beherbergt das Gelände verschiedene Hangars für die Wartung und Unterstellung von Maschinen der Allgemeinen Luftfahrt. Die Kapazität des Platzes liegt bei rund 21.000 Passagieren pro Jahr (Stand 2013); der Schwerpunkt liegt auf der Saison-Touristik in den Sommermonaten. Das Vorfeld ist übersichtlich gestaltet und bietet ausreichend Platz für die Abwicklung kleinerer Charterflüge.
Solarpark Barth – Ein Pilotprojekt der Energiewende
Eine besondere Attraktion des Flugplatzes Barth ist der im Jahr 2012 errichtete Solarpark, der zu einem der markantesten Beispiele für die Nutzung von Konversionsflächen für erneuerbare Energien in Deutschland zählt. Auf einem nicht mehr für den Flugbetrieb genutzten Teil des Geländes wurden rund 50.000 Photovoltaikmodule installiert, die eine Nennleistung von 12,2 Megawatt-Peak (MWp) erbringen. Diese Anlage produziert jährlich mehrere Millionen Kilowattstunden Strom und trägt damit erheblich zur regionalen Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen bei. Das Projekt wurde als Modell für die doppelte Nutzung von Flugplatzarealen gefeiert: Während der aktive Bereich weiterhin dem Luftbetrieb dient, wird die brachliegende Fläche wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll genutzt. Der Solarpark ist für Besucher teilweise zugänglich und wurde zu einem Anziehungspunkt für Interessierte der Energiewende.
Start- und Landebahnen
Der Flugplatz Barth verfügt über eine befeuerte Asphaltbahn in der Ausrichtung 09/27, die für die allgemeine Luftfahrt sowie für kleinere Chartermaschinen geeignet ist. Die Bahn ist ausreichend für Propellerflugzeuge und kleinere Turboprops dimensioniert.
| Kennung | Länge | Breite | Belag | Beleuchtung |
|---|---|---|---|---|
| 09 / 27 | 1.685 m | 30 m | Asphalt | Befeuert (PAPI) |
Die Bahn ist in Ost-West-Richtung ausgerichtet und erlaubt Instrumentenanflüge (IFR) unter bestimmten meteorologischen Bedingungen. Die PAPI-Befeuerung (Precision Approach Path Indicator) unterstützt Piloten beim sicheren Anfliegen. Größere Verkehrsflugzeuge können den Platz aufgrund der begrenzten Bahnlänge nicht regulär anlaufen.
Verkehrsanbindung
| Verkehrsmittel | Verbindung | Anmerkung |
|---|---|---|
| 🚗 Bundesstraße B 105 | Stralsund ↔ Barth ↔ Rostock | Hauptzubringerstraße |
| 🚗 Landesstraße L 23 | Direktzufahrt zum Flughafen | – |
| 🚌 Linienbus | Nach Barth und Stralsund | Saisonabhängiger Takt |
Der Flughafen Barth ist vorwiegend auf den Individualverkehr ausgerichtet. Über die Bundesstraße B 105 ist er gut mit dem überregionalen Straßennetz verbunden und von Stralsund in rund 20 Minuten erreichbar. Die Stadt Barth selbst liegt nur wenige Kilometer entfernt. Ein Bahnhof in direkter Flughafennähe ist nicht vorhanden; der nächste Bahnanschluss befindet sich in Barth selbst, von wo aus Busverbindungen zum Flughafen bestehen. Für Touristen, die über die Ostseeküste anreisen, bietet der Flughafen eine attraktive Möglichkeit, die Region direkt zu erschließen.
Quellenangaben
Die Informationen wurden aus öffentlich zugänglichen Quellen zusammengestellt und redaktionell eigenständig aufbereitet.